Archiv

Posts Tagged ‘leer’

Unter’m Nachthimmel

23. Dezember 2010 7 Kommentare

Es ist tiefe Nacht. Und ich kann einmal mehr nicht schlafen. Gedankenschwanger ziehe ich alle paar Minuten durch die Wohnung. Alles hier schläft. Irgendwie.
Der Tee neben meinem Bett ist mittlerweile eiskalt. Schnee hat sich an meinem Fenster gesammelt. Bis vor ein paar Stunden hat es heftig geschneit.
Jetzt ist der Himmel klar.
Ich ziehe mir etwas über und gehe auf den Balkon. Ich fege mit der Hand eine Schneewehe vom Stuhl, der hier immer steht und setze mich. Die frische und kalte Luft umfängt mich; ich atme tief ein.
Ich höre die Stille. Kein Auto fährt mehr und jedes andere Geräusch wird scheinbar vom Schnee verschluckt. Ich mag den Winter nicht. Die Kälte nicht und auch nicht den Schnee. Doch jetzt, in diesem Augenblick, bin ich fasziniert und hingerissen von der Stille, die er bringt. Lange Zeit fühlte ich nicht mehr diese Ruhe.
Ohne es zu bemerken habe ich die Augen geschlossen um diese perfekten Stille in dieser perfekten weißen Pracht zu lauschen. Nun öffne ich sie wieder. Und schau in den klaren Himmel. Ein paar Sterne sind zu sehen, doch die meisten werden vom gelblichen Laternenlicht überstrahlt. Doch der Mond strahlt sein kühlen, weißes Licht auf die Straße herab. Es ist Vollmond. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht schlafen kann. Aber eigentlich glaube ich das nicht. So etwas habe ich – wenn ich ehrlich bin – eigentlich nie geglaubt. So bin ich halt.
Ich denke an sie.
Denkt sie auch noch an mich? Vielleicht wenn sie in den Nachthimmel sieht? Vielleicht schauen wir auch beide mal zur selben Zeit in den Himmel. Derselbe Himmel. Wir gehen unter demselben Himmel, sehen denselben Mond und atmen – im Prinzip – dieselbe Luft. Manchmal gehen wir dieselben Wege. Und der Romantiker in mir sagt, dass wir sogar manchmal noch dasselbe denken und fühlen.
Ein Band, das uns verbindet ob unserer Vergangenheit.
Ein Band, das wohl für alle Zeit bleibt, egal, ob Erinnerungen verblassen, Einrichtungen ausgetauscht oder Wohnorte gewechselt werden.
Und wieder ist es der Romantiker in mir, der sich häufig und sehr gut versteckt – ja – zurückgezgen hat, der sich weigert, dieses Band loszulassen. Ich lasse ihn seinen Willen. Weil ich mir sicher bin, dass ich die Gewissheit brauche, da draußen jemanden zu haben, mit dem ich verbunden bin. Wenigsten ein wenig. Und ohne, dass wir diese Verbindung miteinander teilen.

Schwer atme ich aus. Nebelig steigt mein Atem auf in Richtung Himmel. Es kribbelt in meiner Nase und ich wische mir eine Träne aus den Augen.
Ich habe einmal die These verfasst, dass wir alle nie schlechte oder gute Entscheidungen treffen, sondern lediglich, wie in einem Kartenspiel, Karten aufnehmen oder ablegen müssen.
Ich stehe auf und gehe wieder in die Wohnung. Die Balkontür ist beschlagen. Ich schließe sie.
In meinem leeren Zimmer lege ich mich in mein leeres Bett. Es ist nicht mehr nötig, dass es ausgeklappt ist. Doch trotzdem ließ ich es so.
Und während ich das Nachtlicht ausschalte, das ich mit ihr kaufte, drehe ich mich zur leeren Betthälfte und denke ein letztes Mal in dieser Nacht, aber nicht zum ersten Mal, dass ich diesmal wohl Karten aufnehmen musste.

 

Advertisements
Kategorien:Da war noch was..., Gedankengänge Schlagwörter: , , ,

Leer

21. Oktober 2010 2 Kommentare

 

Ich wache auf.
Orientierungslos schaue ich mich um und fasse auf die Bettseite neben mir. Mein ausgeklapptes Bett ist leer. Der Raum ist kalt.
Verschlafen drehe ich mich auf die andere Seite. Hier ist sie sicher.
Aber auch diese Seite des Bettes ist leer.
Langsam realisiere ich, dass das zweite Zudeck nicht angefasst wurde, sondern nach wie vor zusammengelegt auf der anderen Betthälfte liegt.
Ein flaues Gefühl stellt sich mir im Magen ein. Dieses Bettdeck ist leer und kalt. Und das war es auch schon als ich gestern Nacht ins Bett gegangen bin. Und auch, als ich Stunden später irgendwann wegdämmerte.
Die Wahrheit holt mich ein. Ich werde zurück in die Wirklichkeit gerissen.
Das Bett bleibt leer. Und kalt.
Benommen setze ich mich auf. Reibe mir die Augen. Aber mein Blick bleibt verschwommen. Ich weiß nicht genau, ob es Schlaf ist oder Tränen. Oder beides.
Mich fröstelt es. Die Heizung geht nicht. Aber ich bin mir sicher, es würde mich auch mit der Heizung frösteln. Die Kälte von innen kann mit einer Heizung nicht vertrieben werden. Ich ziehe mir ein Shirt über und stehe auf. Wanke durch das Chaos meines Zimmers zum Fenster und schließe es.
Draußen ist vor Nebel kaum etwas zu erkennen. Ich reibe mir noch mal die Augen. Diesmal ist es das Naturphänomen, dass meine Sicht trübt. Keine Schlaf mehr. Tränen nur noch ein bisschen.

Schweren Schrittes schlurfe ich aus meinem Zimmer.
Die ganze Wohnung scheint farblich entsättigt. Leise höre ich die Uhr im Flur ticken. Auch die Wohnung ist leer.
In der Küche schiebe ich leere Packungen von Fertigessen zur Seite um einen Platz für meine Tasse zu finden. Dann setze ich Wasser für Tee auf.
Ich gehe ins Wohnzimmer. Ein Glas vom letzten Wochenende steht auf dem kleinen Wohnzimmertisch. Cola-Reste sind darin eingetrocknet. Den Tisch hatten wir zusammen gekauft. Vor rund eineinhalb Jahren. Es kommt mir vor, wie ein anderes Leben.
Es ist still. Nichts rührt sich. Ich höre das Rauschen des Blutes in meinen Ohren. Und das Blubbern des kochenden Wassers in der Küche. Dann macht es klick und das Blubbern verstummt langsam. Dann ist es wieder still.
Ein paar Minuten sitze ich noch auf der viel zu großen Couch.
Schau geradeaus ohne etwas anzusehen.
Dann stehe ich irgendwann auf und gehe auf dem kalten Lenoliumfusßboden zum Balkonfenster und schau nach draußen. Das Wetter ist unverändert. Aber ich sehe eh nicht das, was vor mir liegt. Sondern das, was hinter mir ist.
Vor mir liegt alles im Nebel. Hinter mir ist alles vorbei.
Ich versuche den dicken Klos in meinem Hals herunter zu schlucken. Mehrmals. Es klappt nicht.
Ich seufze. Lasse die Schultern hängen.
Dann gehe ich zurück in mein Zimmer. Lege mich wieder in mein Bett. Der Bettezug hat sich abgekühlt und ist ebenfalls eikalt.
Ich starre an die Decke, an meine Regale, meine Schränke, meine Bilder. An meine Erinnerungen.
Irgendwann umfängt mich schließlich wieder der Schlaf.
In meinem kalten Zimmer. In meinem leeren Bett.
Und fühle mich innerlich nun auch
leer.

Kategorien:Da war noch was... Schlagwörter: , ,