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Archive for the ‘Lyrik’ Category

Nie

28. Oktober 2010 4 Kommentare

Er war immer korrekt.
Er war immer pünktlich, kam nie zu spät zur Arbeit. Sein Arbeitsplatz war immer ordentlich. Kein Auftrag wurde von ihm zu spät abgegeben, nie vergaß er einen Termin.
Er gratulierte immer pünktlich zum Geburtstag; selbst bei entfernt Bekannten. Er bezahlte immer pünktlich seine Steuern in voller Höhe und gab immer seinen Anteil an die GEZ.
Nie kam er mit ungewaschenen Haaren zur Arbeit, immer saß sein Krawattenknoten korrekt. Sein Hemd war immer gebügelt, der Anzug immer ordentlich gereinigt.
Er ging stets pünktlich zum Training und gab immer alles dort. Er machte seine Übungen zu Hause und aß immer pünktlich zu festen Zeiten.
Er behielt immer jedes Geheimnis für sich, das ihm anvertraut wurde, war stets ein guter Freund und hatte jederzeit einen guten Rat zu Hand. Nie verwehrte er anderen Hilfe und immer fuhr er die Partygäste heim.
Er rauchte nicht und nahm keine Drogen. Er hatte immer ein Brötchen oder etwas Vergleichbares für den Obdachlosen an der Ecke parat. Er ging stets wählen und akzeptiere jede Religion.
Oft brach er weinend vor dem Schlafengehen oder nach dem Aufstehen zusammen. Doch verließ er nie zu spät die Wohnung.
Er liebte guten Tee, hatte aber auch nicht gegen einen frischen gebrühten Kaffee.
Manchmal starrte er stundenlang an seine Zimmerdecke, ohne schlafen zu können, doch nie drückte er am Morgen die Schlummertaste seines Weckers.
Seine Uhr war immer nach der Atomzeit gestellt und die Miete ging jeden Monat pünktlich auf das Konto seines Vermieters ein. Alle zwei Wochen säuberte er die Treppe und goss seine Blumen, wie es auf dem Beizettel stand. Das Geschirr war immer abgewaschen und Staub immer gewischt und gesaugt. Die Akten waren immer sortiert, die Bücher alphabetisch geordnet.

An all das dachte er nicht eine Sekunde lang, als er sich vom Geländer abstieß und in die Tiefe fiel.

 

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Fluss

8. Februar 2010 1 Kommentar

Nur ein Gefühl.
Nur ein Gedanke.
Nur ein flüchtiges Streben
ohne Wiederkehr.
Dein Kopf ist leer.
Deine Füße kühl.
Gedanken ohne Leben.

Denn ein Fluss fließt durch Dich.
Ein Fluss fließt durch mich.
Reißt alles hinfort, was bisher war;
Reißt es fort und es ist nicht mehr da.
Nimmt es mit sich, nimmt es fort.
Nimmt’s an einen weit entfernten, schöneren Ort.

Schwer fällt mein Kopf auf den Sand.
Ich will nicht mehr, weil ich nicht mehr kann.
Leblos fällt mein Ich von mir ab.
Mein Geist fliegt gen Himmel,
lässt den Körper hinter sich;
lässt vom Irdischen endlich ab.

Denn ein Fluss fließt durch mich.
Ein Fluss fließt durch Dich.
Reißt alles hinfort, was bisher war;
Reißt alles fort und es ist nicht mehr da.
Nichts hat vor ihm Bestand.
Nimmt uns mit in ein fremdes Land.

Jeder Schritt ist schwer.
Ich bleibe steh’n;
ich kann nicht mehr.
Setz‘ mich leis‘
auf den Boden meine Seele,
schlafe ein,
auf dass ich mich nicht mehr qäle.

Denn ein Fluss fließt in uns.
Reißt uns hinfort
an einen fremden
weiten
schöneren Ort.
Schwerelos und schnell
verlässt uns die Welt
weil uns hier nichts mehr hält.

Ich wache auf.
Mit Tränen im Gesicht.
Es war ein Traum.
So etwas, wie meinen Fluss
gibt es wohl nicht.

Denn ein Fluss floss duch mich hindurch.
Floss durch mich, floss durch Dich.
Riss alles hinfort
an einen stillen, fremden, unwirklichen Ort.
Schwemmte schlechtes Weg,
ließ gutes liegen.
Von diesem Fluss
ist nur meine Erinnerung geblieben.

Ich schlafe ein.
Träume vom Fluss
und uns’rem schönen Ort.
Träume von Licht und Wärme und Weisheit.
Und dann riss mein Fluss mich fort…

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Wege durch die Nacht

21. Januar 2010 Hinterlasse einen Kommentar

Wege durch die Nacht

Allein gelassen und vergessen
stehe ich und schau dich an.
Die letzten Tränen war’n die letzten
nur schwerlich komme ich voran.

Ohne Willen, ohne Zweck,
lässt sich alles schwerlich tun.
Ich habe Hoffnung, doch schieb‘ sie weg
und lasse mich selbst nicht ruh’n.

Beschwerlich mach‘ ich meine Wege
durchs Gestrupp und Gezweig des Lebens
Auch wenn ich viele Zweifel hege,

weiß ich, es ist nicht vergebens.
Allein gelassen geh ich voran
mit dir auf meinem Weg vorn an.

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Zufall

20. Januar 2010 1 Kommentar

Ich glaube
im Gegensatz zu mach and’rem,
dass wir weniger von Gott geschaffen, denn
ich glaube,
dass allemann
sind, was jeder einzeln kann.
Klar gesprochen heißt das dann,
dass wir selbst uns selbst geschaffen.
Uns selbst, uns’re Welt, Freude, Waffen…

Die uns’re Existenz,
wer richtig hinschaut, erkennt’s,
ist nur ein großer Zufall.
Staub, Schleim und Erde
kamen glücklicherweise
so zusammen, dass draus der Mensch dann werde.

Letztendlich dann
widerten wir uns selber an
und dann
suchten wir eine Ausrede
und erfanden Gott, dass er uns nach dem Leben eben
Erlösung gebe.

Doch Gott sind wir selbst,
nur eben nicht allein.
Drum sollten wir in unserem Denken
manchmal etwas göttlicher Sein.

Doch Zufall, Blasphemie oder Antipathie
hin und her.
Einzig sichrer Fakt für mich ist der:
Ich gebe hier und gerne zu –
der, für mich beste Zufall,
der bist Du.

Was wir müssen

2. April 2009 1 Kommentar

Was wir müssen
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Wie ist es, 
jemanden zu verlieren?
Zu spüren,
wie dort ein großes Loch entsteht.

Ohnmächtig mit anzusehen,
wie jemand von einem geht,
zu sehen, wie ein Leben vergeht,
und einfach daneben zu stehen.

Es ist Qual. 
Es ist Schmerz.
Es bricht einem das Herz.
Nimmt einem jede Hoffung.

Daneben zu stehen,
nichts tun zu können,
zuzusehen,
und doch lächeln zu können.

Weil es das letzte ist, 
was der andere sieht
und ihm auf die Stirn zu küssen,
ist das, was wir müssen.

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Gedicht: also

also
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Also stehe ich nun hier.
Auf der Schwelle,
vor einer neuen Tür.

„Stehe“.
Nicht „gehe“.
Wage ich es?
Gehe ich weiter?
Oder halt‘ ich lieber
am alten fest?

Ich hör‘ das Blut in meinen Ohren
pulsieren. Wenn ich länger warte,
hab‘ ich vielleicht schon verloren.

Gehe ich weiter,
lasse ich altes
weit hinter mir.

Nun stehe also
vor dieser Tür.

Stehe.
Nicht gehe.

Stillstand.

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Zu Ende

Zu Ende
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Zu Ende.
Das Spiel ist vorbei.
Keine neue Runde,
keine neue Chance.

Bis hier hin ging’s
und ab hier geht’s
auch nicht weiter.

Es ist vorbei.
Kein Kämpfen mehr,
keine Qualen.

Ruhe.
Endlich.
Ende.
Ist auch immer ein Anfang.

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