Mord!

Agatha Christie würde heute 120 Jahre alt.
Zu Ehren dieser Krimi-Ikone habe ich ihr auf Lokuszeit einen kleinen Eintrag gewidmet, der ein bisschen zeigen soll, dass auch, ober vielleicht sogar besonders die alte Schule der Kriminalgeschichten sehr wertschätze. Christies Geschichten sind einfach zeitlos.
Natürlich habe nicht nur ich zu ihrem Ehrentag etwas geschrieben, auch andere berichten zahlreich über die Schöpferin von Miss Marple und Hercule Poirot. So natürlich auch Lovelybooks, die mit freundlicher Unterstützung des Fischer-Verlags ein Gewinnspiel der anderen Art veranstalten.
Zu gewinnen sind 3x die Miniatur-Serie von Agatha Christie, mit ihren tollsten Werken. Gewinnen kann jeder der mitmacht und dort in den Kommentaren einen Mord schildert.
Ja. Genau. Einen Mord.
Aber hey – Krimis sind mein Metier und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, mich dort mit einem Beitrag zu beteiligen.
Selbigen Beitrag finde ich irgendwie sehr gelungen und möchte ihn euch nicht vorenthalten.
Hier also „mein Mord“:

Ein Mord?
Einen Mord würde ich nur aus Rache begehen. Jemand, der mir etwas Schlimmes angetan hat. Oder meinen Lieben. Besonders dann.
Doch Emotionen sind bei Morden selten hilfreich. Eher hinderlich.
Als Legislative. Als gesetzgebende Gewalt, als die antreibende Kraft, sind Gefühle sicher kaum ersetzbar, was die Motivation zu so einer Tat angeht.
Doch als Exekutive? Als ausführende Gewalt?
Nein. Schließlich würden diese Emotionen die Tat zu unsauber, zu leicht nachvollziehbar, aber vor allem zu persönlich machen. Etwas, dass sich ein Täter – ein Mörder nicht leisten kann.
Emotionen, Persönlichkeit, Motive – all das verraten einen Täter.
Man lasse sich von Emotionen antreiben, lasse sie Kausalität werden. Doch im letzten Moment, wenn es darum geht, zuzuschlagen, lasse man nur die Logik ins Spiel.

So fangen wir also an.
Punkt #1) Die Mittel.
Bei dem Mittel zur Tat, also der Mordwaffe ist es von höchster Wichtigkeit, dass sie a) nicht mit dem Täter in Verbindung gebracht werden kann oder b) am besten nicht einmal festzustellen ist.
Die Liste solcherlei Möglichkeiten ist lang. Extrem flüchtige Gase, schnell abgebaute Gifte, et cetera pp.
Ich persönlich tendiere zu Insulin.
Insulin existiert von vorn herein in jedem Körper. Insulin wirkt, je nach Dosis, sehr schnell und vor allem fatal. Betreffende Person erleidet einen starken Unterzucker. Schwindelgefühl und Konzentrationsschwächen, sind neben kaltem Schweiß und Koordiantionsverlust nur einige der Symptome, die nach wenigen Minuten auftreten können. Der Endeffekt ist ein Koma und das schlussendliche Ableben der betreffenden Person. Und – was noch viel wichtiger ist: Würde man bei der Leiche den Blutzucker messen, würde der zu niedrige Blutzucker zwar auffallen, doch wird der Blutzucker bei einem toxikologischen Befund nicht dargestellt. Und ohne triftigen Grund, misst niemand bei einer Leiche den Blutzucker.
Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

Punkt #2) Die Tat.
Zugegeben: Insulin ist nicht so einfach zu verabreichen, wie viele Gifte.
Man muss es intravenös, also mit einer Spritze verabreichen. Dazu ist ein automatischer Insulin-Pen zu empfehlen. Diese handelsübliche Spritze kann viele Einheiten in einem sehr geringen Zeitfenster abgeben, vollautomatisch und sieht auch noch aus, wie ein Stift. Somit ist es nicht einmal schwer, das Werkzeug vom Ort des Geschehens zu entfernen.
Es versteht sich von selbst, dass man für die Tat ungestört sein sollte. Zeugen sind nie gut, bei einer solchen Sache. Lesen sie nach! In welchem Krimi waren Zeugen je hilfreich? Für den Täter, meine ich.
Ich schlage also vor, geben Sie der betreffenden Person die Spritze, während sie schläft. Bevor sie richtig zu Besinnung kommt und realisiert, was geschehen ist, wird die Hypoglykämie eingesetzt haben. Hypoglykämie ist der Fachbegriff für eine Unterzuckerung. Ich finde man sollte über das, was man tut schon etwas Bescheid wissen, finden Sie nicht auch?
Nun aber zum nächsten Punkt.

Punkt #3) Die Leiche.
Was Sie mit der Leiche tun, bleibt Ihnen überlassen.
Wichtig ist auch hier: Lassen Sie nichts auf sich zurückführen. Vielleicht lassen sie sie einfach im Park, an eine, etwas abgelegenerem Ort,  auf einer Decke liegen, als schliefe sie? Bis Passanten sie als Leiche wahrnehmen, ist genug Zeit vergangen und da man das Insulin nicht nachweisen kann, wird man es auch schwer haben, einen Mord nachzuweisen.
Viele tendieren lieber dazu, die Leiche verschwinden zu lassen.
Mein Tipp: Vergraben Sie die Leiche auf einem Friedhof. Es gibt auf jedem Friedhof viele, größere, jedoch ungepflegte Gräber. Verbuddeln Sie die Leiche unter einem solchen, haken Sie danach ordentlich drüber und legen Sie noch ein paar Blumen mit einer Kerze darauf. Niemand wird Verdacht schöpfen, sondern denken, das Grab würde nur von Angehörigen gepflegt worden sein. Da es aber ein kaum besuchtes Grab ist, wird kein Angehöriger vorbeikommen und Verdacht schöpfen. Und falls doch, wird er sicher nicht denken, jemand hätte dort etwas vergraben. Sondern sich lediglich wundern und es mit einem Schulterzucken abtun und sich freuen, dass jemand seine, eigentlich lästige Arbeit getan hat. So sind die Menschen eben. Bequem. Es beschwert sich keiner über Arbeit, die er nicht tun wollte und nun jemand anderes für ihn tat.
Sollte wider Erwarten doch jemand auf die Idee kommen, sich zu beschweren und dann auch noch darauf, dass dort etwas vergraben worden sein könnte (Dann haben Sie aber sehr schlampig gearbeitet!) und das Grab dann öffnen zu wollen (was mit jeder Menge abschreckendem Papierkrieg zu tun haben würde) dann kommen wir zum letzten Punkt:

Punkt #4) Das Alibi.
Ein Alibi (lat. zu alibi „anderswo“ von alius „ein anderer“) ist der Beweis oder Nachweis dafür, dass eine verdächtige Person sich zur Tatzeit nicht am Tatort aufgehalten hat und so als Täter nicht in Frage kommt. (Sie wissen ja – man sollte immer darüber Bescheid wissen, was man tut.)
Machen Sie ihr Alibi nicht zu ausgefallen. Ein Aufenthalt auf karibischen Inseln ist für Angestellte einer Gebäudereinigungsfirma vielleicht etwas unangebracht. Eine Bar hingegen ist immer gut. Dort treibt sich ja jeder herum und es gibt genug Augenzeugen.
Ja. Richtig. Augenzeugen. Es bringt Ihnen gar nichts, wenn sie während des besprochenen Zeitpunktes niemand sieht. Verstehen Sie das jetzt nicht falsch. Natürlich sollte Sie niemand sehen, wie sie die Tat begehen und/oder die Person entsorgen.
Doch sollten Sie zum festgestellten Todeszeitpunkt unter ordentlicher, glaubwürdiger Gesellschaft gewesen sein. Ein „Ich war allein zu Hause und habe ein Buch gelesen“ ist zwar generell löblich (das Lesen, meine ich), denn noch ein ebenso schlechtes Alibi, wie eine Party einer Studentenvereinigung, bei der 98% der Anwesenden einen höheren Promillesatz, als IQ-Wert hatte.
Mein Tipp: Legen Sie die Leiche kühl, bei ca. 4°C – so entstehen keine Frostbrandflecken und die Verwesung wird verlangsamt, so dass, wird die Leiche gefunden (was Ihnen keiner gönnt), ein anderer Todeszeitpunkt festgestellt wird. So können Sie bequem auf einer Buchlesung von Sebastian Fitzek sein, wenn die betreffende Person gerade angeblich stirbt.

Lassen Sie sich also genug Zeit zum nachdenken, planen und vorbereiten. Handeln Sie nie überstürzt, jedoch immer konsequent.
So können Sie eine Tat begehen, die selbst eine Miss Marple oder einen Hercule Poirot Kopfzerbrechen bereiten können. Obwohl… letzterer ist ja bereits tot.
Aber eines sollten Sie niemals unterschätzen: Da draußen gibt es Menschen, die nur ein paar kleine, winzig kleine Anhaltspunkte brauchen, um auf Sie zu kommen. Und dann gibt es kaum ein Entkommen. Und glauben Sie mir: Der Zufall spielt immer gegen Sie. Versprochen

Nun heißt es also nur noch Daumen drücken. Denn so eine tolle Serie will ich mir und meinem Bücherregal nicht entgehen lassen! :)
Ich hoffe nur, dass morgen nicht plötzlich die KriPo an meine Haustür klopft… es ist alles nur erdacht! Wirklich! Zur Sicherheit habe ich diesen Artikel auch nur mit harmlosen Tags versehen…
Aber wenn ich morgen nicht mehr twittere, dann wisst ihr, wo ich stecke. Oder auch nicht.
Hey… da klopft jemand…

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