Wunder

Wie Du weißt, bin ich ein recht rationaler Mensch.
Für mich ist das menschliche Wesen eher Zufall, denn göttlicher Schöpfung.
Wir alle sind – kosmisch gesehen – völlig unbedeutend. Und sollten wir an einer Kolera-Epedemie dahin siechen, uns gegenseitig mit A-B-C-Waffen ins Jenseits bomben oder durch einen Kometen-Einschlag, den Dinosauriern gleich, von der Erde verschwinden, so krazt es das Universum – die kosmische Verbindung von allem – überhaupt nicht.
Unser Planet ist nur einer von vielen.
Unsere Sonne ist nur eine von vielen und dazu auch noch recht klein.
Unsere Galaxie ist nur eine von so vielen, das wir nicht einmal eine Zahl dafür haben.
Und ob ich nun einen Song von U2 aus dem Internet habe oder mir die neuste Platte im Laden hole: Wen wird es in 2.000.000.000 Jahren interessieren?
Weißt Du, Wunder sind genauso.
Was sind denn Wunder?
Ich würde sie einfach einen Zufall, mit kosmisch kleiner Wahrscheinlichkeit nennen. Aber selbst das stimmt ja nicht wirklich.
Wenn ich einen fingergroßen Stein im Weltall anstubse und dieser dann durch Zufall in der Atmosphäre eines Planeten verglüht, der wie unsere Welt ist, dann ist das ein kosmischer Zufall.
Wasser zu Wein zu machen, das Meer zu spalten und/oder über selbiges zu gehen, sind für mich eher Märchen. Aber was unterscheidet dann ein Wunder von einem Märchen?
Das „Es-war-einmal“?
Nun, weißt Du:
Nach unserem heutigen Erkenntnisstand begann das Leben im Meer mit verschiedenen Amoniumsäuren, die sich irgendwann zu einem Einzeller zusammenschlossen.
Diese kämpften dann, im Zuge der Selektionen um ihre Daseinsberechtigung. Einige überlebten und schlossen sich zu Vielzellern zusammen. Diese krochen dann, nach weiteren evolutionären Schritten, aus dem Wasser, vermehrten sich, starben aus, überlebten, entwickelten sich und immer und immer wieder setzte sich die Evolution so durch, dass eine Spermienzelle in eine Eizelle eindrang und sich daraus wieder ein Wesen entwickelte, dass mehr oder weniger zufällig angeordnete Eigenschaften der Eltern hatte.
So kam es also, dass nach Millionen von Jahren der Evolution, des Aussterbens und Neuerschaffungen; Nach Millionen Jahren von Fortpflanzung und der Vermischung von Erbgut.
So kam es nach tausenden Jahren der menschlichen Existenz, der Entstehung von Liebe und Zuneigung, des rationalen und irrationalen Denkens, nach einer Verschmelzung eines Menschen mit einem anderen immer und immer wieder.
So kam es, dass Du nun so vor mir stehst und mich anlächelst.
Dass deine Augen mich ansehen und mir sagen „Ich liebe Dich“ und in mir eben genau dasselbe Gefühl hervorrufen.
Das, weißt Du, ist für mich ein Wunder.

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