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Von Tee und Blockaden

Neubrandenburg, 12.August 2007, 01:33

Ich liege hellwach im Bett und starre an die, wegen der Dunkelheit, nicht zusehende Decke über mir. Ich kann nicht schlafen. Ganz im Gegenteil – ich war nie wacher in den letzten Tagen.
Meine Finger kribbeln; meine Adern pochen vor Anspannung; mein Hirn schlägt Purzelbäume. Purzelbäume deshalb, weil es nicht weiterkommt. Ich habe eine Schreibblockade…
Dabei habe ich in letzter Zeit so viel erlebt, so viel gesehen und noch viel mehr gedacht. Doch es half alles nicht. Setzte ich mich an den PC oder mit einem Stift vor einen Block, so konnte ich gerade einmal ein paar Zeilen zu Papier bringen, die ich zudem nach 5 Minuten auch wieder verwarf.
Mit dem Schreiben ist es nämlich doch nicht ganz so einfach, wie man es sich gern vorstellen mag. Hat man einmal etwas gefunden, das einen beschäftigt und über das man schreiben will, ist zwar ein Anfang getan, doch reicht das noch lange nicht. Schreiben ist ein Ventil. Richtig. EIN Ventil. Welches, dass gilt es für den Schreiber herauszufinden; und das ist bisweilen wahrhaftig nicht leicht.

Dabei könnte es doch so einfach sein! Man schaltet den PC an, startet WORD oder nimmt sich Stift und Block und los geht’s! Wie gesagt… es könnte.
Normalerweise ist genau das auch genau meine Vorhergehensweise. Doch momentan ist mein Ventil verstopft. Oder sagen wir: mein Hauptventil. Der ganze Dampf lässt sich irgendwo anders ab und wenn es mal doch beim Schreiben passiert, dann ist es das falsche Ventil, das dann benutzt wird und deshalb kommen dann auch „falsche“ (wenn man sie so nennen mag) Texte heraus. Texte, die ich selbst nicht gut finde.
Und doch liegt man, wie ich in diesem Moment, mit kribbelnden Fingern und einem Hirn, das seltsame Verrenkungen macht, im Bett…

Ich drehe mich auf die Seite und schaue zu meiner Freundin. Sie schläft seelenruhig und hat ein unglaublich schönes und friedliches Gesicht, während sie schläft; noch schöner, als ich es finde, wenn sie wach ist – das ist ne Leistung.
Sie ist eher der musische Typ. Sie malt einfach drauf los, wenn’s ihr gefällt oder schmeißt ein paar ihrer Musical-Halbplaybacks auf dem PC an, singt drauf los und beglückt alle im Haus mit ihrer prächtigen Stimme, bis es jedem irgendwann dann doch zu viel wird. Sie kennt soetwas kaum, doch bleibt auch sie trotzdem manchmal nicht davon verschont.
Es ist ein grausiges Gefühl, das wohl jeder kennt, gegen das aber wohl niemand etwas tun kann. Man will machen, aber man weiß nicht recht was, wo und wie…
Ich gebe ihr einen leichten Kuss auf die Stirn und stehe auf. Die Hitze unter der Decke scheint mich, trotz erfrischender 10°C im Zimmer, weil das Fenster ganz aufgerissen ist, schier zu erdrücken. Ich streife mit ein verwaschenes Shirt über und tapse mit Storchsbeinen durch das Zimmer und die darin liegende Dunkelheit bis zur Tür. Ich will zur Küche. Einen Tee kochen und nachdenken. Schwarzer Tee, eigens aus Sri Lanka mitgebracht, mit einem Schluck Milch und einem guten Löffel Honig wird mein Hirn entweder zum rattern bringen oder sicher in den Schlaf wiegen; wobei ich mir eher Ersteres erhoffe.

Nach ein paar Minuten sitze ich am Tisch, vor mir eine dampfende Tasse des oben beschriebenen Tees und neben mir die Tageszeitung von gestern, über der ich still brüte. Hier und da ein paar klagende Leute, ein paar Politiker, die mehr Brückenwartungen fordern, das Wetter wird morgen gut, und und und… alles nicht der Rede wert und eines Textes auch nicht wirklich. Ich möchte über etwas schreiben, was mich wirklich fasziniert, mich fesselt und mich in seinen Bann zieht. Etwas, worüber ich aus dem Stehgreif stundenlang reden und philosophieren könnte und doch nicht genug gesagt hätte.
Die Sache ist verzwickter, als ich dachte und irgendwie mag mir nichts so richtig einfallen.
Der Tee tut sein Werk. Leider zweiteres und ich werde langsam schläfrig. Also beschließe ich, wieder ins Bett zu gehen und dort so lange über mein Problem nachzugrübeln, bis ich einschlafe. Vielleicht wird sich mein Problem dann ja auch im Halbschlaf von allein lösen; zumindest aber werde ich morgen nicht so durchhängen.

Als ich mich wieder ins Bett gelegt habe, höre ich die Stimme meiner Freundin neben mir schläfrig fragen „Alles in Ordnung?“. „Ja“, meine ich. „Ich kann nur nicht schlafen. Hab wieder dieses Gefühl, was schreiben zu wollen, aber keine Ahnung was.“ „Hm“ kommt es von neben mir halb gähnend. „Weißt du, da fällt dir schon was ein. Du bist doch mein kleiner Schreiberling.“ Ich kicherte kurz. Wenn ich mir seelische Unterstützung irgentwo erhoffen konnte, dann bei meiner Herzdame. Wir hatten schon oft über das Problem gesprochen (eher scherzhaft, aber doch hilfreich) und sie wusste genau, was ich meinte. Ich gab ihr einen weiteren Kuss auf die Stirn und drehte meine Decke so, dass ich die kühle Seite genießen konnte. Und der Tee vollendete sein Werk…

Etwa eine halbe Stunde später stand ich neben meinem Bett und suchte mir, halb hastig, halb besonnen, um meine Freundin nicht ein zweites Mal zu wecken, Stift und Block zusammen.
Mitten im Schlaf kam mir dann doch eine Lösung, die – zumindest fürs Erste – eine Lösung meines Problems darstellte und mir wohl einen neuen Text bescheren sollte. Ich ging, so leise, aber auch so schnell, wie möglich wieder zurück in die Küche, machte das Licht an und ohrfeigte mich innerlich selbst, vorhin nicht gleich auf die Idee gekommen zu sein.
Es war wahrscheinlich der sprichwörtliche Wald, den man vor lauter Bäumen nicht gesehen hat, aber doch unverzeihlich für mich.
Weitere zwei Minuten später nahm ich mir meinen neuen Tee zur Hand und nippte vorsichtig daran. Dann „entsicherte“ ich meinen Kugelschreiber und fing an, diesen Text hier zu schreiben…

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